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Interview mit dem Schauspieler Heinz Hoenig

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Matej und Heinz Hoenig nach dem Interview
Matej und Heinz Hoenig nach dem Interview
Ida und Heinz Hoenig
Ida und Heinz Hoenig

Wir haben am Projekt der Berliner Morgenpost „Schüler machen Medien“ teilgenommen. Da hatten wir die Gelegenheit an einer Führung über „Kriegspferde“ teilzunehmen und den Schauspieler Heinz Hoenig zu interviewen.

< Der Schauspieler Heinz Hoenig spielt die Rolle des Ted Narracott im Stück „Gefährten“ am Theater des Westens, das von der Freundschaft zwischendem Jungen Albert und seinem Pferd Joey während des Ersten Weltkriegs erzählt. Schon in den 1970er-Jahren machte sich Hoenig am Grips-Theater einen Namen. Bekannt wurde er 1981 mit dem Film „Das Boot“. Unser Interview fand im Deutschen Historischen Museum statt, das in Kooperation mit Stage Entertainment Führungen zum Thema „Pferde im Krieg“ anbietet. 20 Jugendliche, die am Morgenpost-Projekt Schüler machen Medien teilnehmen, konnten nach einer solchen Themenführung exklusiv Heinz Hoenig im Museum interviewen. Der Schauspieler erzählte voller Begeisterung von der „Gefährten“-Geschichte, deren Hauptfigur das Pferd Joey ist: „Es kommt nach Frankreich, ins Tal der Somme, wo die großen Metzeleien stattfanden. Und das Pferd war auf englischer Seite und auf deutscher Seite, es wurde von den Soldaten beider Seiten benutzt. Die Soldaten, das waren die einfachen Soldaten, die waren so alt wie Ihr! Und die sind los mit Hurra: ,Geil, ich geh in den Krieg. Wunderbar. Super.‘ Wenn sie gewusst hätten, was auf sie zukommt, wäre keiner losgefahren. Der einfache Soldat, der hat den ganzen Mist auslöffeln müssen. Und um diesen kleinen Soldaten, um diesen kleinen Mann, um diesen kleinen Jungen geht es auch in diesem Stück. Und um das kleine Pferd und eine ganz große Liebe.“ Nach seinem Statement fragte Heinz Hoenig ganz locker: „Habt Ihr noch Fragen?“ Und die hatten wir! Berliner Morgenpost: Wie viele Stunden am Tag haben Sie geprobt? Heinz Hoenig: Wir haben drei Monate geprobt, haben morgens um neun Uhr angefangen und waren abends um 17, 18 Uhr fertig. Wir haben sehr viel geprobt, auch, weil die Logistik hinter der Bühne sehr kompliziert ist. Wo bleiben die Pferde, wo ist die Kanone, wo ist der Panzer? Wie funktioniert das alles zusammen auf der Bühne? Das dauert und da muss man auch gute Leute haben. Und die hat das Theater des Westens. Weshalb wurden Sie für die Rolle im Stück „Gefährten“ ausgewählt? Warum? Ich weiß es nicht. Ich spiele im Stück eine linke Bazille als Vater, von Natur aus bin ich genau das Gegenteil. Spielen macht mir Spaß und das wussten die Leute. Und dieses Thema – ich bin da vorsichtig herangegangen. Ich konnte es mir erst einmal nicht vorstellen: „Pferde auf der Bühne? Was habt ihr denn vor?“ Bis sie mir alles gezeigt haben. Und dann war ich so eingenommen, so fasziniert. Da habe ich gesagt: „Okay, ich mach das.“ Sie meinten, es hat Ihnen Spaß gemacht zu spielen, auch jemand Böses. Fühlt man mit der Figur mit? Die Bösen sind da, und sie müssen auch gespielt werden. Und du musst sie wirklich böse spielen. Alleine der Akt, dass ich als Vater das Pferd meines Sohnes verkaufe, das ist wirklich schlimm. Der Spaß daran ist das Spiel. Außerdem ist das Ensemble grandios. Braucht man Erfahrung mit Pferden? Die Personen, die sich auskennen müssen, sind die Puppeteers (die Puppenspieler, die auf der Bühne die lebensgroßen Pferde-Puppets bewegen, die Redaktion). Die waren auch bei den Pferden, haben sie beobachtet. Sie haben immer wieder Proben. Aber das Spiel mit den Pferden, das hast du schnell drauf. Interessieren Sie sich für die Geschichte des Ersten Weltkriegs? Jetzt, wo ich diese Arbeit angefangen habe, interessiere ich mich natürlich dafür und das wünsche ich Euch auch. Mir sind Dinge klar geworden, die ich vorher gar nicht wusste. Und wenn du die Bilder vom Ersten Weltkrieg siehst, was die Menschen ertragen mussten, bloß weil da so ein Semmelkopp eine falsche Entscheidung getroffen hat. Da wird es emotional. Und weil wir wissen, welche Kettenreaktionen darauf folgten, können wir umso mehr ermessen, was heute ist. Wo ist heute der Krieg? Denn wir haben Krieg! Früher hieß das „Der kalte Krieg“. Ich nenne es den kaltheißen Krieg. Heute geht es ums Geld. Um Macht. Um die es damals auch ging. Und es ist besser für uns, dass wir das mal kapieren. Dass wir verstehen, was war und wie es ganz schnell kommen kann, wenn man mit Übermut sagt: „Ich, Ich, Ich, Ich!“ Das Interview erschien am 16.06.2014 in der Berliner Morgenpost. Die Fragen stellten: Clemens Gürtler, 13, Ida Rederer, 11, Elisabeth Duquesnoy, 11, Lilli Oelschläger, 11, Matej Stauffacher, 11, Gelbe Villa, Kreuzberg; Robert Asmussen, Marius Wermann, Noemi Kratt, Juliane Seeger, Jahrgang 8, Gustav-Heinemann-Sekundarschule, Marienfelde; Javid Seyad, Tibor Haake & Paulina Wachsening, Klasse 8c, Friedrich-Ebert-Gymnasium, Wilmersdorf; Lara Göbel, Svenja Hornburg, Nina Bernhard & Sarah Wuchner, Klasse 9a, Hildegard- Wegscheider-Gymnasium, Wilmersdorf; Henrietta Pross, Juliane Fränkle, Marlene Krause, Jahrgang 9, Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster, Wilmersdorf.